Letztes Wochenende noch mit wehenden Fahnen und Gesängen in der Leipziger Innenstadt, heute ohne Material und ohne Support in den Kurven. Wir werden die ersten 12 Spielminuten schweigend verbringen! Größer kann der Kontrast zwischen gelebter Fankultur und schweigenden Zuschauerrängen nicht sein. Noch ist es ein dystopisches Szenario, setzt die Innenministerkonferenz (IMK) ihre Pläne am 3. bis 5. Dezember in Bremen um, wäre eben dieses Szenario vielleicht schon am ersten Dezemberwochenende die neue Wirklichkeit.
Wir fordern die Vereine auf, sich diesen Plänen mit allen zur Verfügung stehenden Ressourcen und Möglichkeiten zur Wehr zu setzen! Die Äußerungen der IMK und die geplanten Änderungen zerstören nicht nur freie Fankultur, sondern greifen auch massiv und unbegründet in die Vereinsstrukturen ein. Die jahrelange gute Arbeit der Vereine und ihrer Partner wird ohne tatsächlichen Anlass mit Füßen getreten, das Erlebnis Stadionbesuch durch Unwahrheiten und egoistische Politiker massiv in seinem Ruf geschädigt. Vereine: Es geht nur gemeinsam! Wir Fans haben letztes Wochenende über Rivalitäten, Farben und Ansichten hinweg eine starke Einheit gebildet und unsere Haltung zum Ausdruck gebracht. Nun seid ihr an der Reihe!
Die Fanszenen Deutschlands.
Die vorstehende Stellungnahme teilen wir in Abstimmung mit den Fanszenen Deutschlands, denn sie spricht ein grundsätzliches, allgemeines Problem für uns Fans an, das die anstehende Innenministerkonferenz (IMK) in Bremen Anfang Dezember herbeiführt. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass für jeden Fußballstandort eigene Interessen der Fans bestehen. Daher gehen wir im Anschluss an die gemeinsame Stellungnahme gesondert auf die geplanten Beschlüsse der IMK im Sinne der Paderborner Fanlandschaft ein.
Die anstehende IMK ist Grund zur Sorge für alle Fußballfans – weit über Teile der aktiven Fanszene und die von ihr gelebte Fankultur hinaus. Die geplanten Beschlüsse lassen erwarten, dass die zentralisierte Speicherung persönlicher Bewegungsdaten und Gesichtsscans einen weiteren gefährlichen Schritt hin zu totaler Überwachung darstellt – Fantasien wie in 1984 sollen Realität werden.
Fußballstadien, bislang Orte gelebter Fankultur, Gemeinschaft und Freiheit, drohen durch den ausufernden Regulierungsdrang und personalisierte Eintrittskarten zu Räumen von Misstrauen und Kontrolle zu verkommen. Während die IMK versucht, fragwürdige Rechtsverständnisse mit willkürlichen Stadionverboten durchzusetzen und die Kosten dafür scheinbar sorglos dem Steuerzahler überlässt, ignoriert sie positive Sicherheitsstatistiken und setzt weiterhin auf eine populistische Law-and-Order-Politik. Dabei wissen wir längst: Auch Stadionverbote lösen keine Probleme – erst recht nicht, wenn sie künftig aufgrund neuer verpflichtender Handlungsanweisungen vermehrt abseits der Abwägungsspielräume der fannahen Vereine verhängt werden.
Dabei gäbe es ganz andere Lösungsansätze für ein verbessertes Stadionerlebnis: gefordert ist eine Politik, die auf Gemeinschaft statt auf Ausschluss setzt und die einmalige Lebendigkeit in den Stadien des deutschen Fußballs schützt, statt seine Fans unter Generalverdacht zu stellen.

